Der campusähnliche Büroneubau New Courts greift die Berliner Blockstruktur auf und interpretiert sie neu. Das von welter+welter architekten BDA geplante Gebäude ist mit DGNB Gold zertifiziert. Eine WAREMA Fenstermarkise mit aluminiumbedampfter Außenbeschichtung verschattet die filigrane Ganzglasfassade und prägt deren silbrig schimmernde Erscheinung.
Das fünf- bis siebengeschossige New Courts in Berlin-Wedding gliedert sich in fünf miteinander verbundene Baukörper.
Ihre mäandernde Anordnung reagiert auf die umgebende Bebauung und schafft mehrere Höfe und Durchwegungen. Die Glasfassade greift die offene Struktur auf und reflektiert je nach Wetterlage den angrenzenden Stadtpark.
Die knapp 20.000 Quadratmeter Bürofläche wurden für unterschiedliche Nutzungskonzepte geplant. Die Fassade sollte deshalb flexibel auf verschiedene Grundrisse reagieren können. Mit dem Einzug einer Bundesbehörde kamen schließlich überwiegend klassische Zellenbüros und gemeinschaftlich genutzte Bereiche zum Einsatz.
Statt des üblichen Bürorasters von 1,35 Metern wurde die Fassade im doppelten Rastermaß von 2,70 Metern ausgeführt. In den Brüstungselementen ist ein Streckmetallgitter aus Aluminium in die Isolierverglasung integriert. Es reflektiert Wärmeeinstrahlung im Fußbereich und dient zugleich als semitransparenter Blickschutz.
Je nach Blickwinkel verändert sich die Wahrnehmung des Gitters. Die senkrecht angeordneten Streckmetallwaben verbinden damit funktionale Anforderungen mit der Gestaltung der Fassade.
Philipp Welter, welter+welter partnerschaft von architekten mbH BDA, Berlin
Beim Sonnenschutz sollten gestalterische und bauphysikalische Anforderungen zusammengeführt werden. Vorgesehen war daher ein außenliegender Sonnenschutz, der Blendschutz unterstützt und zugleich den solaren Wärmeeintrag reduziert.
Für die brandschutzrelevante Treppenhausfassade kam das WAREMA SecuTex-Gewebe A2 zum Einsatz. Das silikonbeschichtete Glasfasergewebe ist nach DIN 4102-A2 als nicht brennbar klassifiziert und erfüllt damit die projektspezifischen Anforderungen an den Brandschutz.
Das WAREMA SecuTex-Gewebe kann sowohl innen bei Rollos als auch außen bei Fenstermarkisen eingesetzt werden. Der Stoff ist einseitig mit Aluminium bedampft und verfügt über eine reflektierende Oberfläche.
„Raumseitig haben wir uns für einen neutralen, hellen Grauton entschieden und die Aluminiumseite nach außen orientiert. So unterstützt das Material neben den geforderten Brandschutzeigenschaften auch die Reduzierung des solaren Wärmeeintrags. Gleichzeitig entsteht bei geschlossenem Sonnenschutz ein silbriger Schimmer über der Fassade“, erklärt Philipp Welter.
Aufgrund der Windbelastung wurde die ursprünglich geplante Markisenvariante angepasst. Eine Simulation am Gebäudemodell im Windkanal hatte für die schräg gestellten Markisen einen reduzierten Windschwellenwert ergeben. Dadurch hätten sie bereits bei geringeren Windgeschwindigkeiten eingefahren werden müssen.
Gemeinsam mit dem Fassadenplaner fiel die Wahl auf Vorbau-Markisen mit seitlicher WAREMA easyZIP-Führung. Eine Verschattungsstudie berücksichtigte die unterschiedlichen Ausrichtungen der Fassaden. An den Nordfassaden konnten dadurch innenliegende Blendrollos mit dem gleichen silberfarbenen Gewebe eingesetzt werden.
An allen Fenstern sind Anschlüsse für manuell bedienbare Rollos vorgesehen, sodass diese bei Bedarf nachgerüstet werden können. Die flexible Planung des Sonnenschutzes ergänzt das Nutzungskonzept des mit DGNB Gold zertifizierten Gebäudes.
Die automatische Steuerung des Sonnenschutzes war von Beginn an Teil der Planung. Gemeinsam mit Fassadenplanern, Architekten, Bauherrschaft, Steuerungsplanung und WAREMA wurde eine auf die Anforderungen des Gebäudes abgestimmte Lösung entwickelt.
Die Steuerung ermöglicht eine differenzierte Anpassung des Sonnenschutzes an die jeweiligen Bedingungen. So kann der solare Wärmeeintrag im Sommer reduziert und der Wärmeerhalt im Winter unterstützt werden.
Drei Fragen an den Fassadenplaner Andreé Franke, IBF Ingenieurbüro Franke GmbH & Co.KG und Mitglied im UBF (Unabhängiger Berater für Fassadentechnik e.V.)
Insbesondere die Fassaden von Büro- und Geschäftshäusern sind heute mit einer möglichst hohen Tageslichtausbeute, bestmöglichem sommerlichen Wärmeschutz und vor allem bei Büroarbeitsplätzen mit einer komfortablen Bildschirmarbeitstauglichkeit zu entwerfen. Für die frühzeitige Klärung der ingenieurstechnischen Detailfragen empfiehlt sich hier bereits im Entwurfsstadium die Hinzuziehung eines Fassadenplaners. Nicht nur haben die technischen Ausführungen der Sonnenschutzanlagen einen starken Impact auf das Fassadenbild, auch Brandschutzanforderungen und Windanfälligkeit können die architektonische Gestaltung erheblich beeinflussen. Nicht zuletzt können Komfortansprüche für die Nutzung wie eine automatische Sonnenstandsnachführung der Raffstorelamellen oder die Integration der Raumtemperierung frühzeitig in die Planung einbezogen werden.
Vor allem bei komplexen Gebäudegeometrien mit sehr unterschiedlichen Windbelastungen auf den einzelnen Fassaden sollten die notwendigen Windschwellenwerte durch ein Windgutachten ermittelt werden. Wichtig bei der Definition der Windgrenzwerte ist der Abstand der Behänge vor der Fassadenkonstruktion. Jede seitliche Hinterlüftung führt zu einer Reduzierung des Windschwellenwerts. Die Ergebnisse der Windsimulation haben daher erhebliche Auswirkungen auf die konkrete Ausführung der Sonnenschutzanlagen und sollten frühzeitig in die Planung aufgenommen werden. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn die Nutzung des Sonnenschutzes in die Berechnung der Energiebilanz des Gebäudes aufgenommen wird. Auch für die Ermittlung der notwendigen Anzahl von Windwächtern bzw. deren mögliche Reduzierung ist eine windgutachterliche Simulation notwendig.
Für die Steuerung von Sonnenschutzanlagen sind die geplanten Mietkonzepte von allerhöchster Wichtigkeit. Große Mietflächen sollten in der Regel von einem zentralen Punkt übersteuert werden. Eine fenstergenaue Steuerung ist aufwendiger, hilft aber, Ärger bei den Nutzern zu vermeiden und ermöglicht flexible Nutzungskonzepte. Denn unbedingt zu bedenken sind sich gegebenenfalls ändernde Nutzungen für den Gebäudebetrieb und die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf das Steuerungskonzept. Zu erwartende Nutzerprobleme und deren mögliche Auswirkungen sollten daher schon in der Entwurfsphase Einzug in die gemeinsamen Überlegungen der Projektbeteiligten finden.
- Projekt: Bürogebäude New Courts
- Ort: Gerichtstraße 48 – 49, 13347 Berlin
- Nutzer: Bundesbehörde
- Bauherrschaft: Gerichtstraße 48 – 51 GmbH, Berlin
- Architektur: welter+welter partnerschaft von architekten mbH BDA, Berlin
- Fassadenplanung: Ingenieurbüro Franke GmbH & Co. KG, Berlin
- Fertigstellung: 2023
- Zertifizierung: DGNB Gold
- Sonnenschutz: WAREMA Vorbau-Markisen mit easyZIP-Führung, Größe 130, mit WAREMA SecuTex-Gewebe A2; Kassetten-Rollo L und Träger Rollo L mit WAREMA SecuTex-Gewebe A2
- Steuerung: WAREMA LON Steuerung mit Sensoreinheit, MWG Photo/Funkuhr, MWG Wind/Photo, MWG Niederschlag, MWG Außentemperatur, Motorsteuereinheiten, I/O Module, Touch-Bedienpanel, Logik zur Umsetzung Windgutachten, projektbezogene Planung, Inbetriebnahme, Applikation Windgutachten, Jahresverschattung
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